WDA
Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker GmbH

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WDA Sommerakademie 2010

9. WDA-Sommerakademie Bayreuth vom 10.06.2010 bis 12.06.2010

Apotheker in der Verantwortung
Die pharmazeutische Verantwortung des Apothekers ist unteilbar und unverzichtbar für die Arzneimittelsicherheit in Deutschland. Dies war das überzeugende Statement von Prof. Dr. Martin Schulz, anlässlich seines Vortrags bei der 9. Sommerakademie der WDA Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker in Bayreuth. Neben den zukünftigen fachlichen Anforderungen und den politischen Herausforderungen gegenüber dem Beruf der Apotheker zeigte Schulz auf, welche wichtige Rolle die Facheinrichtungen der Apothekerschaft für ein umfassendes Arzneimittelsicherheitssystem haben. In seinem lebhaften Vortrag überzeugt Schulz die zumeist jungen und noch nicht etablierten Apotheker, von der Effizienz der Arbeit der Arzneimittelkommission und zeigte auf, wie elementar wichtig es ist, dass die Vertreter der Apothekerschaft im Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht über ausreichend valides Material zur Beurteilung des Risikopotenzials verfügen. Auch im Sachverständigenausschuss für Apothekenpflicht sind die Apothekervertreter in hohem Umfang auf die Risikoerfassung durch die AMK angewiesen. in seinem Ausblick setzte sich Schulz für eine stärkere Einbindung der Apotheker in ein Medikationsmanagement ein. Hierzu sei es dringend erforderlich die Arzt-/Apothekerkooperationen zu intensivieren und patientennahe Dienstleistungen zur Erhöhung der Effektivität (Persistenz und Adhärenz) und Verbesserung der AMTS anzubieten.

Non-Compliance bei Rabattarzneimitteln
Nach Auffassung von Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender können die Rabattverträge der Kassen erheblich negative Aspekte für die Patienten haben. Ein Medikamentenwechsel kann die Compliance des Patienten dramatisch herabsetzen. Bereits heute werden durch eine unzureichende Compliance rund 10 Mrd. Euro Mehrausgaben verursacht. Dieser Effekt kann durch Rabattverträge verstärkt werden. Sie können u. U. höhere Mehrausgaben verursachen, als durch den Umstieg auf ein rabattiertes, wirkungsgleiches Arzneimittel an Einsparungen realisiert werden kann, belegte Oberender mit entsprechenden Zahlen. Der bisherige, einseitige Preiswettbewerb muss nach seiner Auffassung um ein System erweitert werden, welches auch den Nutzen berücksichtigt. Bei der Preisbildung der Rabattverträge muss die Qualität nach seiner Auffassung deutlich stärker berücksichtigt werden und die Preisbildung auf der Basis von Kosten-/Nutzenbewertungen durchgeführt werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass eine ökonomische Verteilung der Ressourcen stattfindet. Mit Hilfe pharmaökonomischer Studien könne der Nutzen der Arzneimittel bestimmt werden. Je nach Fragestellung kann auf unterschiedliche gesundheitsökonomische Evaluationen zurückgegriffen werden. Die derzeitige Ausgestaltung der Rabattverträge vernachlässige diesen Aspekt jedoch noch. Leider seien auch in der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion keine Ansätze zu erkennen, um die notwendigen Korrekturen durchzuführen.

Finanzierung nicht gesichert
Die Kernelemente der neuen Gesundheitspolitik wurden kritisch beleuchtet von Dr. Patrick Da Cruz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Unternehmensberatung Oberender und Partner im Gesundheitswesen. Eine klare Finanzierungslösung für die Finanzierung der GKV ist nach seiner Auffassung noch in weiter Ferne. Die Regulierungen im Arzneimittelbereich seien zwar sehr weit fortgeschritten, brächten jedoch keine wirklichen Strukturlösungen, der sich verschärfenden Finanzprobleme. Wenn auf Grund der Vorgaben der neuen Regierungskoalition anfänglich mit einer Liberalisierung des Gesundheitssystem zu rechnen war, müsse man jetzt feststellen, dass lediglich kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung der Einnahmen und Konsolidierung der Ausgaben diskutiert würden. Da Cruz plädierte für die Abschaffung des Gesundheitsfonds, um bei den Krankenkassen einen nachhaltigen Preiswettbewerb zu ermöglichen. Dabei solle der Umfang der solidarisch finanzierten Gesundheitsleistungen auf einen Regelleistungskatalog begrenzt werden. Auch Regelleistungen sollten durch Tarifwerke abwählbar sein und statt dessen durch Zusatz- oder Wahlleistungen ergänzt bzw. ersetzt werden können. Mit der Stärkung selektiver Vertragsformen könne das Ziel verfolgt werden, den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen deutlich zu Gunsten der Verbraucher zu erhöhen. Da Cruz ging auf die kurzfristigen Maßnahmen ein, die für den Bereich Arzneimittel und Apotheke geplant sind. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde die beabsichtigte Festsetzung des Apothekenabschlags auf € 2,10 ab 2011 kommuniziert und ein voraussichtliches Einsparvolumen über die Großhandelsmarge von rund 500 Mio. Euro, obwohl dies im aktuell vorliegenden Referentenentwurf so nicht beinhaltet war.

Konzepte und Kennzahlen
Dass Strategien wie „McPill“, der Niedrigpreisapotheker und Power-Selling in der Apotheke nicht der Königsweg des Berufsstandes sind, wurde in den marketingorientierten Vorträgen von Dr. Thomas Anger, Graz, und Klaus Dreikausen, Solingen, deutlich. In  betonter Sachlichkeit und rationaler Gliederung legten die Marketingexperten die Möglichkeiten und Grenzen des aktiven Verkaufs dar und präsentierten gelungene Apothekenkonzepte und Gestaltungsmöglichkeiten des „Point of Sale“, so dass die Teilnehmer zahlreiche praktische Anregungen mitnehmen konnten.

„Bruttonutzen, Handelsspannen, Umsatzrentabilität und Personalkosten-produktivität“, dass man auch nach der 15. Kennzahl noch Spaß haben konnte, dafür sorgte der spritzige und eloquente Vortrag von Prof. Burkhard Strobel, der sich dem Apothekenmanagement und Controlling mit Kennzahlen widmete. Der gleichsam unterhaltsame und praxisorientierte Vortrag von Strobel, lieferte den Teilnehmern, zusammen mit dem ausgehändigten Tabellenwerk, eine sofort umsetzbare Arbeitshilfe für das tägliche Apothekenmanagement.

Aktuelle Rechtsfragen für Apotheker diskutierte Prof. Dr. Lutz Michalski, Lehrstuhl für bürgerliches Recht und Handelsrecht an der Universität Bayreuth, mit den Teilnehmern. Seine Schwerpunktbetrachtung galt dem Versandhandel und den damit zusammenhängenden Rechtsfragen, wie der Anwendbarkeit der Arzneimittel-preisverordnung auf den Versand durch ausländische Internetapotheken, ebenso wie dem beabsichtigten Verbot von Pick-up-Stellen. Auch das Thema der Zulässigkeit von Auto- und Außenschaltern bei Apotheken, fand reges Interesse.

Erfolg mit Leidenschaft
Sie müssen heute wissen, wo Sie in zehn Jahren stehen wollen, das war der Leitgedanke von Wolfgang Pachali, der mit seinen Ausführungen über Lust- und Frustmarketing den Apotheken zusätzliche Inspirationen geben wollte, was ihm durchaus auch gelungen ist. Man solle sich gar nicht erst angewöhnen, der Erotik des Misserfolgs zu verfallen, als da sind, Selbstmitleid, Trägheit und Angst. Die angestrebten Marketingziele seien in aller Regel zu brav, zu normal und verlieren häufig im täglichen Kampf gegen die Warner und Bedenkenträger. Wenn man nur das tue, was man schon immer getan hat, dann werde man auch nur das bekommen, was man schon immer bekommen habe. Zum Erfolg gehören das Wollen, das stete Erneuern, das Wagnis, die Leidenschaft und die Authentizität des Unternehmers. Es müsse nicht alles rational, logisch und vernünftig sein, das bedeute häufig nur, es funktioniert nicht.

Dass Erfolg nicht easy ist, zeigte die Präsentation von Oliver Blume, easyApotheke AG. Wir haben nichts zu verschenken, so Blume, bei uns muss jeder Kunde sogar die Tüte bezahlen. So wie bei Lidl auch. Zeitungen gibt es nicht kostenlos und Geschenke an Weihnachten schon überhaupt nicht. Wer soll das denn alles finanzieren? Auf konsequente Kostenführerschaft setzt das easy-Konzept, welches derzeit etwa 50 Franchisepartner in Deutschland hat. Blume setzte sich mit den zahlreichen Fragen aus dem Auditorium sachlich auseinander und blieb kaum eine Antwort schuldig. Insgesamt ist der Konzeptgeber mit seiner Philosophie und Unternehmensidee zufrieden, obwohl es auch einige Standorte gibt, so Blume, die man immer wieder überprüfen muss. 

Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender
Prof. Dr. Martin Schulz